Kaum ein Brauchtum ist in Deutschland so mit Riten, Symbolik und Traditionen überfrachtet wie das weihnachtliche Winterfest. Vom gemeinschaftlichen Drogenkonsum am Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt bis zum konsumistischen Climax am schwarzen Freitag um für die Lieben™ auch ausreichend in Verpackung verpackten Schnickschnak unter den Baum zu legen.

Apropos Baum – Wie so vieles an Weihnachten hat auch der geschmückte Tannenbaum nur wenig mit christlichem Glauben zu tun, sondern ist eine Erfindung der Neuzeit made in germany. Aus dem 16. Jahrhundert. Erstmals erwähnt von Goethe in den Leiden des jungen Werthers.

Heute schlachten wir jedes Jahr um die Weihnachtszeit etwa 30 Millionen Nadelbäume, um ihnen dann geschmückt beim Sterben zu zu sehen. Fünf Millionen mehr als noch vor 20 Jahren.

Nur mal so als #Realitätsabgleich, wenn der RVR mit 500.000 Bäumen das Klima retten will… gegen Spende.

Doch nur 5% der Weihnachtsbäume kommen aus ökologischischem Anbau (Naturland oder Bioland zertifiziert). Die Zahl der zertifizierten Plantagen nimmt zu,  doch zu oft wird auf Weihnachstbaumplantagen noch mit Dünge-, Unkrautvernichtungs- und Schädlingsbekämpfungsmitteln gearbeitet. Das schadet den Böden, Gewässern und Ökosystemen.
Zusätzlich gesundheitlich belastend, wenn diese Bäume dann auch noch tage- und wochenlang im Wohnzimmer stehen…

Die Wissenschaft™ hat die Ökobilanz verschiedener „Weihnachtsbaum-Arten“ verglichen, und kam zu dem Ergebnis, dass die Umweltbelastung durch Zuchttannen aus Plantagen um den Faktor Fünf höher liegt als bei FSC-Bio-Bäumen. Selbst künstliche Bäume haben (je nach Material) einen geringeren CO²-Fußabdruck als die Plantagen-Tannen.

Für Nerds und Tabellenspieler*innen gibt es ein Ökobilanz-Berechnungstool zum Vergleich verschiedener Szenarien für den Kauf von Weihnachtsbäumen.

Fast ein 1/3 aller deutschen Anbauflächen von ca. 50.000 Hektar liegen in NRW (12.500 ha im Sauerland). Ein Hektar Weihnachtsbaumkultur bindet in zehn Jahren 145 Tonnen Kohlendioxid – die dann bei der „Entsorgung“ wieder frei gesetzt werden.
Nach den Feinstaub-Exzessen zu Silvester gleich die nächste Klimasünde in jedem neuen Jahr…

Und bevor wieder jemand Aber denk doch an die Wirtschaft !!!111!einself! ruft:
Das Weihnachtsbaumgeschäft generiert gut 700 Millionen € Umsatz und sichert etwa 15.000 Arbeitsplätze (davon etwa die Hälfte aber nur saisonal).
Fast so viele Arbeitsplätze wie die gesamte Braunkohleproduktion und -verarbeitung.
Oder wie wir im Pott sagen: Ein Opel-Werk.

Der weltweite Klimanotstand zwingt uns dazu, unser Verhalten in wirklich jedem Bereich zu überdenken und entsprechend zu verändern. Dazu gehören auch viele lieb gewonnene Traditionen und Gebräuche.

Wenn schon aus überbordender Romantisierung nicht auf einen geschmückten Weihnachtsbaum verzichtet werden will, so sollte es doch ein Baum aus nachhaltiger, klimaschonender Produktion sein…

Kategorien: Umwelt

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