Die Geschichte des Regionalverband Ruhr ist 100 Jahre alt.

Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) — vor 100 Jahren

Die durch die Industrialisierung fortlaufende Expansion der ehemals dörflich strukturierten Region hin zu einem boomenden Wirtschaftsraum bedurfte es im Ruhrgebiet einer einheitlicher sowie überörtlicher Planung. Hinzu kam, dass zu dieser Zeit – um die Reparationsforderungen aus dem Versailler Vertrag erfüllen zu können – über 750.000 weitere Menschen im Ruhrgebiet angesiedelt werden sollten, um den Ruhrbergbau zu unterstützen.

Daher wurde 1920 der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk (SVR) gegründet, der die Raum- und Landschaftsplanung zentral lenken sollte. Der SVR war der erste Siedlungsverband in Deutschland mit einer gesetzlichen Grundlage, die ihm weit reichende Planungsaufgaben zuwies.  Ziel war es, eine Zersiedlung zu verhindern, damit unverzichtbare Grün- und Freiflächen erhalten werden konnten.
Auch verkehrstechnisch sollte das Ruhrgebiet durch den Bau von Verbandstraßen und die 1925 eingeführte einheitliche Ortsbeschilderung zusammen wachsen. Selbst Projektideen für den Ruhrschnellweg, eine Regionalschnellbahn und die Revierparks gab es schon in der Gründungsphase.

Während des Nationalsozialismus wurde der Verband zwar „Gleichgeschaltet“ und der kommunalen Kontrolle entzogen, blieb aber bestehen. Diese Zeit ist nach dem Krieg – wie in vielen deutschen Behörden – nur unzureichend aufgearbeitet worden. Was sich unter anderem daran zeigt, dass Leute wie Josef Umlauf, der für Reichsführer SS Heinrich Himmler in der RKF-Planungsabteilung „maßgeblich an der Erarbeitung allgemeiner Grundsätze für die ‚Ostraumordnung’ “  beteiligt war, nach Kriegsende in hoher Beamtenposition weiter arbeiten konnten. Umlauf war von 1959–1965 sogar Regionaldirektor.

In der Nachkriegszeit entwickelte der SVR mehrere Städtebauprojekte zur Wiederaufbau.
Nach den verheerenden Kriegsschäden durch die von den Nazis provozierten alliierten Bombenangriffe auf die „Waffenschmiede des Reiches“ gab es im Ruhrgebiet sowohl großen Bedarf als auch große (ausgebombte) Flächen zur Neugestaltung.

Kommunalverband Ruhr (KVR) — Imagevideos statt Flächenplanung

Die Aufgaben des Verbandes bei der Raumordnung und beim Städtebau wurden 1962 durch das Landesplanungsgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen eingeschränkt.
Und im Jahr 1975 wurde mit der großen Gebietsreform in NRW die Planungshoheit dann sogar weitestgehend den Bezirksregierungen (Arnsberg, Düsseldorf, Münster) übertragen.

1979 wurde der SVR daher zum Kommunalverband Ruhr (KVR) umgewandelt, ein kommunaler Dienstleistungsbetrieb mit wenigen eigenen Kernkompetenzen.
Die Zuständigkeiten begrenzten sich vorwiegend auf Freizeit-, Landschafts- und Erholungsplanung und Freiraumsicherung. Sowie Vermessungs- und Forstwesen und die Abfallwirtschaft. Vor allen Dingen aber widmete man sich der Öffentlichkeitsarbeit für das Ruhrgebiet.

Ein wunderbarer* Imagefilm aus dieser Zeit – nahe an Realsatire – illustriert, wie wenig sich am „Selbstbild“ seit damals geändert hat…

(FunFact: Die damals gebräuchliche URL www.kvr.de führt heute zu einem Münchner Fleischlieferanten… #Neuland)

Regionalverband Ruhr (RVR) – die Metropole Ruhr

2004 wurde das Verbandsgesetz durch den Landtag geändert, und der KVR wurde in Regionalverband Ruhr (RVR) umbenannt. Damit einhergehend erhielt der Verband erweiterte Kompetenzen in der regionalen Selbstverwaltung zurück. 2009 wurde dem RVR dann auch wieder die staatliche Regionalplanung übertragen.

Schon damals gab es aus den Kommunen durchaus Widerstand.
Vor allem der damalige Dortmunder SPD-Oberbürgermeister Langemeyer versuchte gegen den erstarkten Regionalverband  mit einem „Städtebund Ruhr“ zu intrigieren.
Dies führte zu einer Resolution der RVR-Verbandsversammlung mit der klaren Ansage: „Der RVR gestaltet, plant und baut die Metropole Ruhr“.

Diese Rivalität zwischen den Oberbürgermeistern, die ihre Autonomie in der Gestaltung der kommunalen Flächennutzungsplanung gefährdet sehen und dem RVR ist bis heute spürbar.
»Es gab einen nicht öffentlich tagenden Vorstand aus Oberbürgermeistern, Landräten und den Fraktionsvorsitzenden des Ruhrparlamentes. Dieser kontrollierte die Verwaltung, traf wichtige Personalentscheidungen und nichts kam in die Ausschüsse und die Verbandsversammlung, was diese Runde nicht vorher freigegeben hatte.« ¹

Fazit

Vergangenes ist nichts, was wir ändern könnten.
Aber es ist immer gut, sich mit dem Gestern zu befassen um das Heute besser zu verstehen.
Und im besten Fall die Fehler der Vergangenheit Morgen nicht zu wiederholen.

Daher ist es…    


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