Und wieder einmal wird die Olympia-Sau durch’s Dorf durch die Metropole gejagt.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), nationaler Ableger des zutiefst korrupten IOC, hat bekannt gegeben, dass es in Deutschland derzeit „nur eine mögliche Bewerberin“ für die Austragung der Olympischen Spiele 2032 gibt – die Rhein-Ruhr-Region.
Grund genug, in allen Gazetten des Landes die unkritische Jubelfanhne zu schwenken!?

Zunächst einmal kann formal eine offizielle Entscheidung über die tatsächliche Bewerbung nur durch die Mitgliederversammlung des DOSB getroffen werden. Und diese findet erst am 5.Dezember statt.

Zudem wird allenthalben so getan, als hätte die „Ruhrmetropole” die Konkurrenten Berlin und Hamburg „geschlagen” – tatsächlich aber waren die Bewerbungen der anderen Städte von Anfang an „eher unwarscheinlich” (Hamburg) oder „Aufgrund des veränderten Vergabeverfahrens des IOC zu eng” (Berlin). So blieb dem DOSB eigentlich gar keine andere Möglichkeit, als das Konzept des Unternehmers und „Sportmanagers” Michael Mronz zu favorisieren.

„nachhaltig” = KostNix ?!?

Das Haupt-Argument für die Rhein-Ruhr-Region war laut DOSB das die Spiele besonders nachhaltig und mit geringen Kosten verbunden sind. Weil ja (je nach Aussage) 80 oder 90 Prozent der Spielstätten schon vorhanden sein. Es sei also nicht nötig, viel Geld in den Neubau von Sportstädten zu stecken.

FunFact: In der Vergangenheit waren es in erster Linie eben genau diese neu gebauten Sportstädten, welche den Austragungsstädten als „nachhaltiger” Gewinn für die Städte verkauft wurde. Dass dies allerdings nie wirklich funktioniert hat, kann mensch aktuell in Rio de Janeiro sehr gut sehen.

Was bei dieser Milchmädchenrechnung allerdings fast gänzlich außen vor gelassen wird, ist die nötige Infrastruktur™ drumherum. Denn die Sportstätten sind in der Vergangenheit oft kaum mehr als 10% der Gesamtkosten gewesen.

Angefangen von Wohneinheiten für die Athlet*innen bis hin zum einem Konzept für den ÖPNV. Und gerade letzteres wird für die Idee einer „regional verteilten Olympiade” ungleich komplexer als in nur einer Stadt.

Denn die Idee von einer „Rhein-Ruhr-City” beinhaltet, die Sportstädten bis zu 150 km auseinander liegen. Verteilt zwischen Aachen, Köln, Bonn, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund. Und wer der eh schon seit Jahren am Limit operierenden ÖPNV in der Region kennt, kann sich schwerlich vorstellen, dass dieser solch ein Großereignis einfach so stemmen könnte.

Leider hat die Olympische Familie zu lange beim Irrglaube mitgemacht, Olympia sei ein Stadtentwicklungsprogramm
– Wolfgang Maennig, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hamburg und  1988 Olympiasieger im Rudern

Und das ist nur eine der bisher ungelösten Fragen.
Denn ein konkretes Finanzierungskonzept ist bisher überhaupt noch erstellt werden!
Die Verteilung der Mittel zwischen Bund, Land und Kommunen ist bis dato überhaupt noch nicht geklärt.

Alleine eine offizielle Bewerbung als Austragungsort wird viele Millionen Euro veranschlagen.
Die Bewerbung um die Spiele 2024 wurde für Berlin und Hamburg mit 50 Millionen Euro eingeschätzt.

FunFact: Bei einer tatsächlichen Austragung lagen die Kosten von Olympischen Spielen von 1960 bis 2012 im Durchschnitt 252% über dem Plan…

Es ist also weder absehbar, wie hoch die Kosten überhaupt werden noch sind die vollmundigen Versprechen von Nachhaltigkeit und vorhandener Infrastruktur wirklich glaubwürdig.


Innovation und Nachhaltigkeit sind dann gegeben, wenn wir den Breitensport vor Ort unterstützen und wenn wir die Infrastruktur für die Menschen vor Ort ausbauen. So erreichen wir für die Menschen hier im Ruhrgebiet tatsächlich ein „dabei sein ist alles“, nämlich ein „dabei sein in unserer Gesellschaft“.

— Dirk Pullem, Fraktionsvorsitzender

Große Zustimmung – es müssen nur die richtigen* gefragt werden

Des weiteren wird vom DOSB angeführt, dass ein „erfreulich positives Bild in jeder der beteiligten Kommunen” zu erkennen sei.

„Weil gleich 14 Städte gemeinsam über alle Parteigrenzen hinweg diese Begeisterung teilen, ist es aus meiner Sicht bereits schon gelungen, eine unabdingbare positive Stimmungslage der Bevölkerung an Rhein und Ruhr zu erzeugen,” meint der Präsident des NRW-Sportbundes Stefan Klett.
Und setzt damit kurzerhand die Großmannsträume einiger Lokalpolitiker mit der Meinung der ganzen Bevölkerung gleich…

„Gerade in den Kernstädten wie zum Beispiel Köln und Düsseldorf brauchen wir eine deutliche Zustimmung, weil das Konzept andernfalls sinnlos und zum Scheitern verurteilt wäre“, sagt DOSB-Präsident Hörmann.

Doch bisher sind alle Verantwortlichen und insbesondere Hauptinitiator Michael Mronz jegliche konkrete Pläne für eine Bürgerbeteiligung schuldig geblieben.

Fragt man allerdings in die Bevölkerung, so wie zum Beispiel das gemeinnützige Recherchezentrum CORRECTIV in einer (nicht ganz repräsentativen) Umfrage, ergibt sich ein durchaus anderes Bild als eine „deutliche Zustimmung”…

FunFact: Die Olympiabewerbung Hamburgs für die Sommerspiele 2024 wurde von der Bürgerschaft in einem Referendum mit 51,6% abgelehnt…

Selbstüberschätzung und Großmannssucht

Die sogenannte „Rhein-Ruhr-CITY“ ist eben nicht EINE City, sondern besteht eben aus ganz vielen kleinen, mittleren und etwas größeren Städten, deren Oberbürgermeister halt jede Möglichkeit der Prestigesteigerung für sich (selbst) nutzen wollen.
Und viele kleine Lokalpolitiker, die sich auch gerne im Schatten solch eines Events sonnen wollen.

Die tatsächlichen Kosten  werden dann weggelächelt, ausgeblendet und klein gerechnet.

Dies kann und darf nicht Grundlage für solch ein Unterfangen wie die Austragung der Olympischen Spiele sein!

Daher hat die Fraktion der Piratenpartei im Regionalverband Ruhr schon 2016 nicht für die Resolution zum Olympiastandort Metropole Ruhr gestimmt.
Und steht dem auch weiter kritisch gegenüber.

 

„Diese Mega-Events sind eine Falle. Man kann diese Investitionen nicht rational und nachhaltig nutzen.”
– Leandro Mitidieri, Staatsanwalt in Rio de Janeiro 

 

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