Grünflächen sind Klimaschutz

Die Anpassungen an den Klimawandel spielen, nicht erst seit den „Fridays for Future“-Demonstrationen, eine immer größere Rolle in kommunalen Planungsprozessen. Bewusst angelegte Grünflächen verringern Wärmeinseln, minimieren die Feinstaub- und CO2-Belastung und schwächen die Wirkung von Starkregen und Temperaturextremen.

Gerade für Ballungsräume ist daher ein hoher Anteil von Grünflächen wichtig.

Schon zu seinem Beginn vor 100 Jahren war eine der wichtigsten Aufgaben des Regionalverbandes (Damals: Siedlunsverband Ruhrkohlenbezirk SVR) eine Zersiedlung des Ruhrgebietes zu verhindern, damit unverzichtbare Grün- und Freiflächen erhalten werden können.

Grünes Ruhrgebiet

Wenn an das Ruhrgebiet gedacht wird, sind „Grünflächen und Wald“ sicherlich nicht unbedingt das Erste, was einfällt. Zu stark ist das Klischee von Industrie, dichter Wohnbebauung und überfüllten Straßen.

Doch das Ruhrgebiet ist „grüner“ als mensch denkt!

Etwa zwei Drittel des Reviers bestehen aus Wäldern, Wiesen, Feldern und Weiden. Hinzu kommen über 4.200 innerstädtische Parkanlagen und 660 Kleingartenanlagen unterschiedlicher Größe.
Und es existieren mittlerweile über 300 Naturschutzgebiete im ehemaligen Kohlerevier.

Mit etwa 78 Hektar Waldfläche hat das Ruhrgebiet, verglichen mit anderen europäischen Industrieregionen, sogar einen verhältnismäßig hohen Waldanteil 17,5 %.

Und der größte Waldbesitzer der Region (ca. 20% der Gesamtfläche) ist der Regionalverband Ruhr. Ihm gehören 14.500 Hektar Wald und noch einmal gut 2.500 Hektar sonstiger Grünflächen.

RUHR GRÜN – Regionalverband als Gärtner

Da diese Flächen bewirtschaftet und gepflegt werden müssen, hat der Regionalverband die eigenbetriebsähnliche Einrichtung RVR Ruhr Grün
gegründet. Ruhr Grün ist eine organisatorisch selbstständige, rechtlich unselbstständige Unternehmung mit eigener Satzung.

Aufgabe von Ruhr Grün ist:

  1. Erhaltung, Bewirtschaftung und nachhaltige Pflege des land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Grundvermögens des Regionalverbandes Ruhr (RVR) nach ökologischen und betriebswirtschaftlichen Grundsätzen unter Wahrung der besonderen Gemeinwohlverpflichtung.
  2. Damit zusammenhängende Tätigkeiten wie Grundstücksverwaltung, Erzeugung und Verwertung von Holz und anderen Walderzeugnissen, Neubau und Unterhaltung von Infrastruktureinrichtungen oder Förderung des ökologischen Jagdwesens sowie Ausübung der Jagd- und Fischereirechte auf den zu bewirtschaftenden Flächen.
  3. Sicherung und Verbesserung der Schutz und Erholungsfunktion der zu bewirtschaftenden Flächen und ihrer biologischen Vielfalt, Öffentlichkeitsarbeit, Waldpädagogik und Umweltbildung.
  4. Technische Betriebsleitung und Beförsterung für weitere Waldeigentümer, soweit vertraglich vereinbart.

Wirtschaftlichkeit vs. Umweltschutz

Für seine vielfältigen Aufgaben hat Ruhr Grün von der Verbandsversammlung aktuell einen eigenen Haushalt von 11,5 Millionen € zugebilligt bekommen – von dem ein nicht geringer Teil durch Forstwirtschaft (Holzschlag) selbst erwirtschaftet werden muss.
Und genau da liegt ein Problem. Denn Ruhr Grün selbst hatte davor gewarnt, dass Aufgrund der geringen Holzpreise am Markt diese Vorgaben nicht halten zu können. Da der RVR den Zuschuss für seinen Eigenbetrieb Ruhr Grün aber dennoch nicht ausreichend erhöht, besteht ein erheblicher Druck, das Geld anderweitig zu erwirtschaften.

Die Fraktion der Piratenpartei befürchtet, dass es daher zu vermehrten Holzeinschlag durch Ruhr Grün kommen wird und hatte daher die prognostizierten Mindereinnahmen durch einen Haushaltsänderungsantrag ausgleichen wollen.
So sollte verhindert werden, dass der wichtige Kohlenstoffspeicher Wald zu stark bewirtschaftet wird und es zu negativen ökologischen Folgen kommt.

Leider war dieser Antrag in der Verbandsversammlung nicht erfolgreich.
Die Anderen Fraktionen scheinen zu einem großen Teil immer noch die Wirtschaftlichkeit VOR den Klimawandel zu stellen. Vielleicht mit fatalen Folgen…

Echter Klimaschutz ist nötig

Ruhr Grün weiterhin vornehmlich als (Forst-)Wirtschaftsunternehmen zu sehen, verhindert nötige und wirkungsvolle Klimaschutz-Maßnahmen. Zwar sind Öffentlichkeitsarbeit, Waldpädagogik und Umweltbildung wichtige Themenbereiche im Aufgabenkatalog von Ruhr Grün, scheinbar sind diese Inhalte noch nicht bis in alle Fraktionen vorgedrungen.

Nach Außen geriert sich der RVR als große Klimaschützer und proklamiert mit der Aktion „5 Millionen Bäume„, bei der bis zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 im Ruhrgebiet analog zur Einwohner*innen-Zahl fünf Millionen neue Bäume gepflanzt werden sollen.
Tatsächlich sind aber bisher kaum mehr als 270.000 Bäume neu gepflanzt worden.
400.000 weitere sind durch natürliche Verjüngung des Waldes hinzugekommen.
Diese sind allerdings bisher schwerpunktmäßig an nur wenigen Standorten (Üfter Mark bei Dorsten/Schermbeck mit fast 400.000 neuen Bäumen und die Kirchheller Heide bei Bottrop mit fast 180.000 Bäumen) realisiert worden.

Ob die geplanten 5.000.000 neuen Bäume tatsächlich bis 2027 gepflanzt/gewachsen sein werden, oder ob es ein ähnliches Debakel wie beim Ruhrschnellweg werden wird bleibt abzuwarten…
Ein konsequenter klimapolitischer Ansatz ist in dieser Imagekampagne allerdings nicht zu entdecken.

Fazit

Die Grünplanung des Ruhrgebietes ist Aufgrund der klimapolitischen Aufgaben heute wichtiger denn je. Daher ist auch ein gut aufgestelltes Ruhr Grün unabdingbar und von herausragender Wichtigkeit. Wichtiger, als es Viele in der Verbandsversammlung bisher war haben möchten.
Allerdings dürfen die Aufgaben von Ruhr Grün nicht zu sehr auf deren Wirtschaftlichkeit als Forstbetrieb reduziert werden. Denn Grünflächenpflege ist echt…


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