Am 6. Juli hat das Ruhrparlament für den den Erarbeitungsbeschluss des neuen Regionalplans gestimmt. Was bedeutet das? Dazu ein kurzer Ausflug in die Geschichte des Regionalplans:
Der letzte gemeinsame Regionalplan für das Ruhrgebiet trat 1966 in Kraft. Ab 1975 waren jedoch die Bezirksregierungen des Landes NRW für die Regionalplan zuständig, was für das Ruhrgebiet eine Vielzahl von Regionalplänen bedeutete. Seit 2009 ist der Regionalverband Ruhr für die Regionalplanung zuständig, sodass für die gesamte Metropole Ruhr endlich ein einziger Regionalplan gilt. Der neue Regionalplan enthält die Ziele und steckt den Rahmen fest für die räumliche Entwicklung des Ruhrgebiets in den nächsten 15 Jahren.

Wenn das Ruhrparlament nun den den Erarbeitungsbeschluss des neuen Regionalplans verabschiedet hat, bedeutet das nicht, dass der Regionalplan jetzt „fertig“ sei. Nein, vielmehr bedeutet es, dass nun die Beteiligung der Öffentlichkeit am Regionalplan begonnen hat. Öffentlichkeit bedeutet öffentliche Stellen, also hier die Behörden der Kommunen, sowie Personen des Privatrechts, wie hier zum Beispiel der VRR und die Flughafen Dortmund GmbH. Gemeint sind aber auch die ganz „normalen“ Menschen im Ruhrgebiet. Auch sie haben die Möglichkeit, sich über den Regionalplan zu informieren. Sie können den Regionalplan entweder online einsehen oder in ihrer Kommune den Plan ganz klassisch haptisch einsehen, da er dort öffentlich ausgelegt werden soll. Das wo, wird in den Amtsblättern der Bezirksregierungen bekannt gegeben.

Und an dieser Stelle sehen die RVR-Piraten ein Problem. Während es den öffentlichen Stellen und Personen des Privatrechts allein aufgrund ihrer Struktur einfach ist, sich mit dem Regionalplan auseinandersetzen, sind die „normalen“ Menschen im Ruhrgebiet, für die der Plan ja eigentlich aufgestellt wird, über die lebensfernen Informationswege außen vor. Hier sehen die RVR-Piraten die Kommunen und ihre Politikerinnen und Politiker in der Pflicht, auf die Menschen zuzugehen und sie zu informieren.

Denn schließlich wird der Regionalplan zuallererst für die Menschen gemacht, die in dieser Region leben. Jedoch lässt der inhaltliche Fokus des Regionalplans die RVR-Piraten an dieser Zielsetzung zweifeln. Sicherlich finden auch Natur, Umwelt und Freizeit ihre Berücksichtigung im Regionalplan, sie sind allerdings dem Primat der Wirtschaft unterstellt. Mehr Flächen für Industrie und Handel zu schaffen, kann nach Auffassung der RVR-Piraten jedoch nicht das Gebot der Stunde sein.

 „Wir können nicht immer mehr Flächen versiegeln, in der Hoffnung, dass dies der Wirtschaft nutzt, mehr Arbeitsplätze schafft und so die Kaufkraft stärkt. Dies ist angesichts der Automatisierung viel zu kurzfristig gedacht. Der Boden ist endlich. Das soll der Generation nach uns nicht auf die Füße fallen“, erklärt der Vorsitzende Dirk Pullem die Einstellung seiner Fraktion.

Mit einem Anteil von 40% in der Landwirtschaft und einem Anteil von knapp 18% Wald steht die Metropole Ruhr im Vergleich zu Metropolen wie Berlin grün und unbesiedelt dar. Im gesamtdeutschen Vergleich (30% Wald, 51% Landwirtschaft) ist die Metropole Ruhr mit 40% Siedlung und Verkehr dagegen verbaut. Zu berücksichtigen ist natürlich außerdem, das Randgebiete der Metropole Ruhr, wie der Kreis Wesel, Recklinghausen, Ennepe-Ruhr und Hagen, wald- und wiesenreich sind, Städte wie Duisburg dagegen mit über 50% Siedlung und Verkehr wenig Raum für Grün, Freizeit und Erholung bieten.