Der olympische Gedanke ist ein ehrenwerter: Menschen aus der ganzen Welt kommen zusammen, um gemeinsam und in Frieden den Sport zu feiern. Ob „höher, schneller, weiter“ oder „dabei sein ist alles“: Was zählt, ist einzig die Leistung der Sportlerinnen und Sportler, der Respekt vor und unter ihnen, gleich welcher Nation, Geschlecht, sozialem Status. So zumindest der Gedanke.

In der Realität macht das Internationale Olympische Komitee (IOC) durch Korruption von sich reden[1], der Doping-Skandal ließ die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang 2018 zur Nebensache werden.[2] Die Olympischen Spiele in Rio 2016 wurden mit dem Versprechen veranstaltet, dass sie den Menschen vor Ort eine neue Perspektive geben, dass das Olympische Gelände nachhaltig genutzt werde. Von den Versprechen ist nichts geblieben, vielmehr haben Menschen für gigantische Ruinen ihr Viertel verloren, Geld ist versandet.[3]

Die 2014 veröffentlichte Ausarbeitung über Deutsche Olympiabewerbung leitete der Wissenschaftliche Dienst damit ein, dass sich die Kosten der Olympiaaustragung kaum vorab beziffern lassen, dass die Kosten von 1960 bis 2012 im Durchschnitt 252% über dem Plan lagen und dass vor allem die Ausrichterstädte erheblich finanziell belastet werden, wenn im Vorfeld nicht bereits schon die notwendige Infrastruktur vorhanden ist.[4]

Trotz all dieser bekannten Kritik befürwortet die Landesregierung NRW eine Bewerbung der „Rhein Ruhr Olympic City“ für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2032, mit der Begründung, dass 80% der benötigten Sportstätten und Veranstaltungsorte zur Durchführung der Spiele bereits vorhanden seien und man nicht die Chance vergeben wolle, Nachhaltigkeit und Innovation in die Spiele zu bringen.[5]

Auch die RVR-Piraten können den Schlagworten Nachhaltigkeit und Innovation natürlich nur zustimmen. Aber diese Schlagworte können effektiver und vor allem kostengünstiger mit Leben gefüllt werden als mit einer Bewerbung um die Olympischen Spiele. Allein die Bewerbungskosten lagen in London 2012 bei 30 Millionen Euro. Die Bewerbung um die Spiele 2024 wurde für Berlin und Hamburg mit 50 Millionen Euro eingeschätzt. Und eine Bewerbung ist schlicht und einfach nur eine Bewerbung mit der Option einer Absage. Ein paar weitere Zahlen: Die Kosten für die Infrastruktur in London, und darunter fällt mehrheitlich das, was keine nachhaltige Wirkung hat, beliefen sich auf 3,2 Milliarden Euro,  die Sicherheitskosten in Sotschi 2014 auf 2 Milliarden Euro.[6]

Selten haben sich die Ausgaben für die Ausrichterstädte, und damit sind besonders die Menschen in den in den Städten gemeint, nachhaltig gelohnt. Daher haben die RVR-Piraten 2016 nicht für die Resolution zum Olympiastandort Metropole Ruhr gestimmt.[7] Und daher unterstützen die RVR-Piraten auch jetzt nicht die Bewerbung der „Rhein Ruhr Olympic City“. Innovation und Nachhaltigkeit sind dann gegeben, wenn wir den Breitensport vor Ort unterstützen und wenn wir die Infrastruktur für die Menschen vor Ort ausbauen. So erreichen wir für die Menschen hier im Ruhrgebiet tatsächlich ein „dabei sein ist alles“, nämlich ein „dabei sein in unserer Gesellschaft“.

[1] https://www.cicero.de/weltb%C3%BChne/so-korrupt-ist-das-ioc/38707

[2] http://www.deutschlandfunk.de/olympische-spiele-in-pyeongchang-doping-und-diplomatie.724.de.html?dram:article_id=410324

[3] http://www.deutschlandfunk.de/olympia-2016-rio-und-das-erbe-der-spiele.724.de.html?dram:article_id=409645

[4] https://www.bundestag.de/blob/410214/a1c754aaf003716668ca2b957582363f/wd-10-058-14-pdf-data.pdf

[5] https://www.ruhrnachrichten.de/Nachrichten/13-NRW-Staedte-koennten-Olympia-2032-ausrichten-377096.html

[6] https://www.zeit.de/sport/2015-03/olympia-kosten-berlin-hamburg/seite-2

[7] http://www.rvr-piraten.de/wp/ueber-den-sinn-und-unsinn-von-resolutionen/